Trachten: Handarbeit, Kunst und Historie
Posted on 29. Aug, 2011 by Redakteur in Allgemein
Der Begriff Tracht bezeichnet im ursprünglichen Sinn eine traditionelle Kleiderordnung, die in einer bestimmten Region, einem bestimmten Land oder auch für Angehörige einzelner Bevölkerungs- oder Berufsgruppen Gültigkeit besitzt. Unterschieden wird dabei zwischen Zunft-, Berufs- und Amtstrachten auf der einen Seite und Volkstrachten auf der anderen. Zunfttrachten, wie man sie auch heute bei Zimmermännern noch sieht, brachten die Zugehörigkeit zu einer bestimmten Berufsgruppe oder einer Zunft zum Ausdruck. Sie entstanden meist in Städten. Volkstrachten dagegen entwickelten sich in eher ländlichen Gebieten. Sie stellten in der Regel eine regionaltypische Bekleidungsform dar. Die ersten bäuerlichen Trachten kamen gegen Ende des 15. Jahrhunderts auf. In der heutigen Zeit sind Trachten in abgewandelter Form wieder sehr gefragt. Vor allem auf dem Münchner Oktoberfest zeigen sich viele junge Menschen unter anderem auch in Trachten von Trachtenshop.de. Im ländlichen Raum kommt es zudem auch häufiger vor, dass Braut und Bräutigam standesgemäß in Tracht heiraten. Ein Großteil der Gäste schließt sich dem natürlich an und erscheint ebenso in Tracht. Ebenfalls eine Art der Tracht sind die häufig sehr aufwendigen und teilweise schon als kleine Kunstwerke zu betrachtenden Kleider, die einige Besucher von Mittelaltermärkten tragen.
Die Bedeutung der Tracht
Während Trachten heutzutage normalerweise aus modischen Gründen getragen werden, hatten sie in der Vergangenheit durchaus wichtige Funktionen zu erfüllen. So konnte anhand der Tracht direkt auf bestimmte Eigenschaften der Trägerin oder des Trägers geschlossen werden. Es war beispielsweise möglich, den Familienstand zu erkennen. Je nach Tracht zeigten bestimmte Kopfbedeckungen, Schürzen oder Schleifen an, ob die jeweilige Person ledig oder verheiratet war. Weibliche Trachten ermöglichten es sogar, auf die Anzahl der Kinder zu schließen. Generell waren Trachten ein Unterscheidungsmerkmal verschiedener Stände. Bauern, Krämer und geringere Bürger durften beispielweise nur schlechtes Tuch verwenden, während es Angehörigen der Oberschicht erlaubt war, kostbare Stoffe zu verwenden und die Trachten zudem durch aufwendige Stickereien und Schmuck zu verzieren. Näheres dazu finden sie in einem Artikel auf www.kleinezeitung.at.
Handarbeit und Kunst vereint
Bei der Herstellung historischer Trachten vereinen sich Handarbeit und Kunst. Wurde das Augenmerk beim Nähen der Trachten in früheren Zeiten vor allem auf Funktionalität gelegt, legen Menschen, die heute Trachten nähen, Wert auf jedes Detail. Das Nähen von Trachten kann deshalb mit Fug und Recht als Kunsthandwerk verstanden werden. Viele der aufwendig und in vielen Stunden Arbeit entstandenen Trachten werden auf Festen, Trachtenmärkten und in Bauernmuseen (siehe auch diese Fotoreportage auf www.ulrich-goepfert.de) der breiten Öffentlichkeit präsentiert und mitunter auch zum Kauf angeboten. Wer selbst einmal Trachten nähen möchte, kann auf die Hilfe zahlreicher Bücher und Internetseiten zurückgreifen. Aber auch Trachtenvereine bieten in regelmäßigen Abständen Kurse an. Die benötigten Materialien, wie Stoffe und Accessoires werden von speziellen Geschäften und Onlineshops angeboten. Wer sich dafür entscheidet, Trachten selbst zu nähen, sollte viel Zeit einplanen, um ein optimales Ergebnis zu erhalten. Und gerade die aufwendigen Stickereien, mit denen viele Trachten verziert sind, benötigen neben ausreichend Zeit auch ein gehöriges Maß an handwerklichem und künstlerischem Geschick.
Die Tracht als Gesamtkunstwerk
Trachten, gleich aus welcher Region des Landes sie stammen, werden heute als Gesamtkunstwerk betrachtet. Sie sind weit mehr als nur Kleidungsstücke. Zu einer Tracht gehören viele kleine Dinge, die sie als Gesamtkunstwerk erst komplettieren. Aufwendige Stickereien heben manche Tracht deutlich von anderen Kleidungstücken ab. Auch das Anbringen von Schleifen und Rüschen, das Arbeiten mit unterschiedlichen Farben und Schnitten sowie die passende Kopfbedeckung tragen zum Gesamteindruck bei. Natürlich müssen zu einer Tracht auch die passenden Schuhe getragen werden. Turnschuhe zum Dirndl mögen auf dem Münchner Oktoberfest vielleicht noch funktionieren, in Trachtenvereinen ist so etwas allerdings verpönt. Hier wird sehr viel Wert auf Authentizität gelegt. Wie andere Kunstwerke auch, werden Trachten zudem in Museen ausgestellt und der Öffentlichkeit präsentiert. Dabei erhalten die Besucher viele Informationen zur Bedeutung der jeweiligen Tracht sowie allgemein über das Leben in den Zeiten, in denen die Trachten getragen wurden. Trachten werden zumeist in Regional- und Heimatmuseen gezeigt (Liste bei Wikipedia.org)
Gelebte Vergangenheit im Trachtenverein
Trachtenvereine haben sich dem Erhalt historischer Trachten verschrieben. Lange Zeit wurden solche Vereine von vielen Menschen nur belächelt. Mittlerweile entdecken aber immer mehr junge Menschen ihre Liebe zur historischen Bekleidung und treten Trachtenvereinen bei. Vor allem in ländlichen Regionen boomen Trachtenvereine geradezu. Heimat- und Trachtenvereine pflegen darüber hinaus regionale Traditionen und richten Feste aus. Auf diese Weise sorgen sie auch für den Zusammenhalt der jeweiligen Dorfgemeinschaft. Vor allem in Süddeutschland gibt es etliche Trachtenvereine.
